Thüringen

—„Zwischen Dänemark und Prag liegt ein Land, das ich sehr mag.“

So besang es einst der große deutsche Dichter Rainald Grebe.

Große Geister unter sich (links: Johann Wolfgang von Goethe in Bronze, rechts: Felix Dürrwald)

Und auch wenn er natürlich Recht damit hatte, dass der Freistaat eines der weniger bekannten Bundesländer ist, kann er doch durch seine üppige Natur und vielfältige kulturellen Angebote beeindrucken.

Nicht umsonst war Ilmenau für Johann Wolfgang von Goethe jahrelang Wohn- und Arbeitsort. Der Geheimrat schrieb hier auch sein berühmtes Gedicht „Wandrers Nachtlied“ an die Wand der Jagdaufseherhütte nahe dem Gipfel des Kickelhahn – heute als „Goethehäuschen“ bekannt.

Johann Sebastian Bach war im benachbarten Arnstadt vier Jahre Organist, bis er ins ebenfalls thüringische Mühlhausen übersiedelte. Der in Weimar wirkende Friedrich Schiller gründete zusammen mit seinem Freund Goethe das Weimarer Theater – das damals beste Theater Deutschlands. Die Wartburg gab Luther Unterschlupf und bot ihm die Ruhe, sich auf sein Lebenswerk – die Bibelübersetzung – vorzubereiten.

Man kann also mit Fug und Recht behaupten, Thüringen inspiriert die Künstler und Kulturschaffenden. Eben dies zeigt sich an jeder Ecke der weltberühmten Städte Weimar, Jena, Erfurt und Eisenach. Aber auch in den kleineren Städten und Dörfern, die zumeist idyllisch in der wildromantischen Natur des Naturparks Thüringer Wald oder des Nationalparks Hainich liegen.

Doch auch kulinarisch hat Thüringen einiges zu bieten

Entgegen landläufiger Meinung wird in Thüringen auch im strengsten Winter – zumindest in den Städten – kein Hund gegessen. Richtig ist jedoch, dass die Thüringer Rostbratwurst essentieller Bestandteil der Ernährung sowie identitätsstiftendes Kulturgut ist.

Hier sei dem Autor ein Exkurs in die Etymologie des Begriffes gewährt: Der Begriff „Rostbratwurst“ erscheint für den Nichteingeweihten zunächst verwirrend, da es sich ja um eine auf dem Holzkohlegrill ausgefertigte Schweine- oder Kalbswurst – somit also um eine „Grillwurst“ handelt. In Thüringen wird eben jenes Grillgerät jedoch „Rost“ und der Vorgang „braten“ genannt, woraus sich der Begriff „Rostbratwurst“ ableitet. Ein wichtiger Tipp, um im grünen Herzen Deutschlands nicht sofort als Auswärtiger aufzufallen. Der oft außerhalb des Freistaats gebrauchte Begriff „Roster“ jedoch stammt aus dem Vogtland und entlarvt den Benutzer, ebenso wie das von Berlintouristen oft falsch verwendete „Icke“ statt „Ick“.

Ebenso wichtig wie die Rostbratwurst sind die Thüringer Klöße. Hier sei jedoch Vorsicht angeraten, da der Verzehr eines echten Thüringer Kloßes dem Verzehrenden den Konsum anderer, minderer Klöße für immer vergällt.

Doch auch fremden Kulturen gegenüber zeigt sich die Thüringische Küche offen. So finden sich im Freistaat inzwischen auch Club Mate sowie Fränkisches Bier. Auch das aus der fernen Hauptstadt importierte Gericht „Döner mit Alles“ ist zu finden – wenn auch, für den Thüringer Gaumen mittels viel mehr Soße angepasst.

Merke: Mehr Soße macht jedes Gericht besser!

Ein naturverbundenes Völkchen

Im Vordergrund: Natur, im Hintergrund: Auch

Der Thüringer bzw. die Thüringerin ist naturverbunden. Dies zeigt sich vor allem im ausgeprägten Tragen von Outdoor-Bekleidung auch zum Zwecke städtischer Verrichtungen. Es könnte ja zu jeder Zeit vorkommen, dass man sich spontan zu einem Waldspaziergang oder einer Wanderung auf den nächstgelegenen Gipfel entschließt. Auch Accessories wie Stirnlampen und wetterfeste Hosen sowie Taschenmesser werden gern überall hin mitgeführt, getreu dem Motto:
„Seid bereit – immer bereit“

Abgesehen von der vollständigen Abwesenheit jeglichen Modebewusstseins jedoch, lebt in Thüringen ein zwar etwas grummeliger, jedoch überaus freundlicher und erquicklicher Menschenschlag. Dies wird man spätestens nach dem zweiten Bier am Rost feststellen. Auch sonst lebt man in Thüringen nach dem Motto „Ein jeder soll nach seiner Facon glücklich werden“ – solange es nicht um‘s Autofahren oder einen Elektrogrill geht.

Thüringen – immer eine Reise wert!

Blick vom Kickelhahnturm über den Thüringer Wald

Der Autor, hofft beim Leser die Reiselust (Wanderlust) geweckt zu haben und freut sich schon auf den nächsten Besuch.
In Wahrheit hofft er jedoch, dass Thüringen noch lange Zeit ein Geheimtipp bleibt, so dass er weiterhin ein Bundesland voller naturbelassener Wälder, Täler und Berggipfel ungestört genießen kann.
Wer jedoch den beschwerlichen Weg in den Freistaat dennoch aufnehmen möchte, den empfängt er gern mit guter Wurst und kaltem Bier.

Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
Ruhest du auch.
—Goethes „Wandrers Nachtlied“

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